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<title>Ökotyp</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Ökotyp</span></h1>
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<p>Als <b>Ökotypen</b> werden Untergruppen (<a href="Pflanzensippe" title="Pflanzensippe">Sippen</a>) einer <a href="Art_(Biologie)" title="Art (Biologie)">Art</a> bezeichnet, die im Vergleich zu anderen Populationen der gleichen Art eigene genetisch fixierte ökologische Ansprüche an ihre Umwelt stellen. Die Ökotypen sind häufig auf ein Teilareal einer Art beschränkt und kommen nur bei bestimmten Umweltbedingungen vor.<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Die Veränderung von anatomischen oder physiologischen Merkmalen lässt sich häufig entlang von <a href="Kline_(Biologie)" title="Kline (Biologie)">Ökoklinen</a> beobachten.<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Der Begriff <i>Ökotyp</i> wurde 1922 vom schwedischen Botaniker <a href="G%C3%B6te_Turesson" title="Göte Turesson">Göte Turesson</a> geprägt und wird besonders bei Pflanzen verwendet. In der Zoologie wird er heute auch verwendet. Früher fand zum Teil der unscharfe Begriff <i>ökologische Rasse</i> Verwendung, der dort im Gegensatz zum unscharfen Begriff <i>geographische Rasse</i> stand.
</p><p>Durch die Art seiner Entstehung ist der <b><a href="Biotyp" title="Biotyp">Biotyp</a></b> ein Sonderfall des Ökotyps, da dieser Begriff sich auf Populationen einer Art bezieht, die durch <a href="Autogamie" title="Autogamie">Autogamie</a> oder durch <a href="Parthenogenese" title="Parthenogenese">Parthenogenese</a> entstanden sind.
</p><p>Genetische und physiologische Divergenzen kennzeichnen Ökotypen im Verhältnis zu breiteren Populationssegmenten, die auf Selektionsdrücke innerhalb bestimmter ökologischer Kontexte zurückzuführen sind. Diese Eigenschaften werden jedoch nicht dazu herangezogen, den Organismus als eigene Art zu beschreiben und ihm damit eine eigene formale <a href="Taxonomie" title="Taxonomie">taxonomische</a> Stellung zuzubilligen.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Tiere">Tiere</h2></div>
<p>Beim <a href="Sotalia" title="Sotalia">Sotalia</a>-Tümmler (<i>Sotalia fluviatilis</i>) existieren zwei unterschiedliche Ökotypen. Der erste Ökotyp, <i>Sotalia fluviatilis guianensis</i>, lebt an den Atlantikküsten zwischen Nicaragua und Brasilien. Der zweite, <i>Sotalia fluviatilis fluviatilis</i>, bewohnt den Amazonas und seine Nebenflüsse. In ähnlicher Weise werden auch beim <a href="Gro%C3%9Fer_T%C3%BCmmler" title="Großer Tümmler">Großen Tümmler</a> (<i>Tursiops truncatus</i>) zwei, von manchen Wissenschaftlern sogar drei, Ökotypen unterschieden.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Pflanzen">Pflanzen</h2></div>
<p>Im <a href="Flora" title="Flora">Pflanzenreich</a> ist die Ausbildung von Ökotypen wegen der geringen Mobilität der Pflanzen (durch die Bildung von <a href="Diaspore" title="Diaspore">Diasporen</a> sind auch Pflanzen „mobil“) stärker verbreitet als im Tierreich. So sind z. B. von der <a href="Acker-Schmalwand" title="Acker-Schmalwand">Acker-Schmalwand</a> (<i>Arabidopsis thaliana</i>) weltweit mehr als 750 verschiedene Ökotypen bekannt.
</p><p>Auch der Mensch trägt durch die Nutzung der Natur dazu bei, dass Ökotypen bei Pflanzen gefördert werden. So können beim <a href="Wiesenlieschgras" class="mw-redirect" title="Wiesenlieschgras">Wiesenlieschgras</a> in Abhängigkeit von der Art der Landnutzung eine <i>Weideform</i> und eine <i>Wiesenform</i> sichtbar werden.
</p><p>Beim <a href="Kletten-Labkraut" title="Kletten-Labkraut">Kletten-Labkraut</a> (<i>Galium aparine</i>), das in verschiedenen Habitaten vorkommt, konnten zwei verschiedene Ökotypen, ein „Ackerökotyp“
und ein „Nichtackerökotyp“, nachgewiesen werden. Die beiden Ökotypen unterscheiden sich sowohl hinsichtlich ihrer Entwicklungsstrategie als auch hinsichtlich einer Vielzahl <a href="Morphologie_(Biologie)" title="Morphologie (Biologie)">morphologischer</a> und <a href="Ph%C3%A4nologie" title="Phänologie">phänologischer</a> Merkmale<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>.
</p><p>Ein sehr eindrucksvolles Beispiel für Ökotypen einer Art hat uns Göte Turesson selbst hinterlassen. Er hat auf dem Gelände der <a href="Schwedische_Universit%C3%A4t_f%C3%BCr_Agrarwissenschaften" class="mw-redirect" title="Schwedische Universität für Agrarwissenschaften">Schwedischen Universität für Agrarwissenschaften</a> in Ultuna eine Baumreihe mit der <a href="Moorbirke" class="mw-redirect" title="Moorbirke">Moorbirke</a> aus unterschiedlichen geographischen Breiten Schwedens pflanzen lassen. Die Bäume repräsentieren einen „genetischen Gradienten“ von <a href="Schonen" title="Schonen">Schonen</a> in Südschweden bis nach <a href="Lappland" title="Lappland">Lappland</a> und belegen noch heute in ihren <a href="Ph%C3%A4nologie" title="Phänologie">phänologischen Erscheinungen</a> die Forschungsergebnisse Turessons in spektakulärer Weise: Der Aufbruch der Birkenknospen beginnt an den <i>Südbäumen</i> zuerst und setzt sich sukzessive nach Norden fort, während die Blattfärbung im Herbst bei den Bäumen im Norden einsetzt und die Blätter der Birken im Süden sich als letzte verfärben und abfallen.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Ökotypen_in_der_Forstwirtschaft"><span id=".C3.96kotypen_in_der_Forstwirtschaft"></span>Ökotypen in der Forstwirtschaft</h3></div>
<p>Die Kenntnis unterschiedlicher Ökotypen lässt sich in der Forstwirtschaft zur standortgerechten Bepflanzung nutzen. So ist z. B. bekannt, dass sich <a href="Rotbuche" title="Rotbuche">Rotbuchen</a> in der Fähigkeit zur Bewältigung von Trockenstress unterscheiden. Daraus kann man Empfehlungen für die Bepflanzung von Waldstandorten ableiten, die unter sommerlichem Wassermangel leiden.<sup id="cite_ref-4" class="reference"><a href="#cite_note-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li><a href="Ulrich_Kutschera" title="Ulrich Kutschera">Ulrich Kutschera</a>: <i>Evolutionsbiologie</i> (= <i><a href="Uni-Taschenb%C3%BCcher" title="Uni-Taschenbücher">UTB</a>.</i> 8318). 2., aktualisierte und erweiterte Auflage. Ulmer, Stuttgart 2006, ISBN 3-8252-8318-6.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text"><i>Urania Pflanzenreich. Vegetation.</i> Urania, Leipzig u. a. 1995, ISBN 3-332-00550-2, S. 30.</span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text">Sieghard Winkler: <i>Einführung in die Pflanzenökologie</i> (= <i><a href="Uni-Taschenb%C3%BCcher" title="Uni-Taschenbücher">Uni-Taschenbücher</a>.</i> 169). Gustav Fischer, Stuttgart u. a. 1973, ISBN 3-437-20101-8, S. 191 f.</span>
</li>
<li id="cite_note-3"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-3">↑</a></span> <span class="reference-text">Ulrich Groll, <a href="Ernst-Gerhard_Mahn" title="Ernst-Gerhard Mahn">Ernst-Gerhard Mahn</a>: <i>Zur Entwicklung ausgewählter Populationen des Kletten-Labkrautes (Galium aparine L.).</i> In: <i>Flora.</i> Bd. 178, Nr. 2, 1986, <span class="-print"><a href="Internationale_Standardnummer_f%C3%BCr_fortlaufende_Sammelwerke" title="Internationale Standardnummer für fortlaufende Sammelwerke">ISSN</a> <span style="white-space:nowrap"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://zdb-katalog.de/list.xhtml?t=iss%3D%220367-2530%22&key=cql">0367-2530</a></span></span>, S. 93–110, <a href="Digital_Object_Identifier" title="Digital Object Identifier">doi</a>:<span class="uri-handle" style="white-space:nowrap"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://doi.org/10.1016/S0367-2530%2817%2931478-0">10.1016/S0367-2530(17)31478-0</a></span>.</span>
</li>
<li id="cite_note-4"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-4">↑</a></span> <span class="reference-text"><span class="cite">Claus Buschmann, Stephanie Bilke, Tobias Längle, Hartmut K. Lichtenthaler: <a rel="nofollow" class="external text" href="https://pudi.lubw.de/detailseite/-/publication/53577"><i>Einfluß von Trockenstreß auf die Photosyntheseaktivität verschiedener Ökotypen der Buche (Fagus sylvatica L.). Abschlußbericht.</i></a> Universität Karlsruhe – Botanisches Institut II, 2000,<span class="Abrufdatum"> abgerufen am 22. Juni 2024</span>.</span><span style="display: none;" class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Adc&rfr_id=info%3Asid%2Fde.wikipedia.org%3A%C3%96kotyp&rft.title=Einflu%C3%9F+von+Trockenstre%C3%9F+auf+die+Photosyntheseaktivit%C3%A4t+verschiedener+%C3%96kotypen+der+Buche+%28Fagus+sylvatica+L.%29.+Abschlu%C3%9Fbericht&rft.description=Einflu%C3%9F+von+Trockenstre%C3%9F+auf+die+Photosyntheseaktivit%C3%A4t+verschiedener+%C3%96kotypen+der+Buche+%28Fagus+sylvatica+L.%29.+Abschlu%C3%9Fbericht&rft.identifier=&rft.creator=Claus+Buschmann%2C+Stephanie+Bilke%2C+Tobias+L%C3%A4ngle%2C+Hartmut+K.+Lichtenthaler&rft.publisher=Universit%C3%A4t+Karlsruhe+%E2%80%93+Botanisches+Institut+II&rft.date=2000"> </span></span>
</li>
</ol></div><!--htdig_noindex--><div><div class="zim-footer">
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